St. Michael und Paulus

INNO-Blog

11.8.2022 - Fordernde Konsument:innen

Wenn noch so gut gemachte Veranstaltungen, noch so wohl vorbereitete Gottesdienste oder noch so erfolgreiche Sozialinitiativen keine Begeisterung auslösen, was dann? Außerdem kennen Sie sicher auch das Phänomen, dass immer weniger Engagierte sich aufreiben in immer verzweifelter wirkenden Versuchen, irgendetwas auf die Beine zu stellen, damit „die Leute kommen“. Und selbst wenn sich ab und zu ein quantitativer Erfolg einstellt, hinterlässt dieser oft einen schalen Beigeschmack, weil man spürt: Wir haben zwar die Bedürfnisse „fordernder Konsument:innen“ (Originalton Michael White und Tom Corcoran in „Rebuilt“) befriedigt, aber wir haben die Menschen nicht auf einen Weg der Nachfolge geführt. Wir haben zwar viel unternommen und angeboten, aber zu wenig getan, um Menschen für Gott und Seine Botschaft zu begeistern – als Grundlage für die freie und individuelle Entscheidung, das Leben ganz auf Christus auszurichten und sich für sein Reich zu engagieren. Die pastorale Kunst scheint darin zu bestehen, durch ehrgeizige und professionelle Arbeit hohe Qualität anzustreben und so die Basis für mögliche quantitative Resonanzen zu schaffen. Das schafft den Nährboden dafür, dass Gott wirken und Menschen berufen kann. Dann geschieht auch heute das Wunder der Verwandlung des größten Sünders in einen Jünger oder eine Jüngerin Jesu Christi.

 

Dr. Georg Plank, Pastoralinnovation
Webseite: www.pastoralinnovation.org


 

Wir können unser ganzes Leben lang jeden Tag in die Kirche zum Gottesdienst gehen und lassen uns doch von der Botschaft Christi nicht berühren. Das ist dann unendlich traurig und eine verpasste Chance. Im Sonntagsevangelium des kommenden Sonntags (Lk. 12,49-53) lädt Jesus deutlich zu ganz konkreter Nachfolge ein, was im Extremfall sogar zu Spaltungen innerhalb von Familien führen kann. Wenn ich meinen Glauben ernst nehme, wenn er meinem Leben Kontur verleiht, werde ich anecken und zwar um des Reiches Gottes willen. Ziel der INNO Kirche ist es, Menschen auf ihrem Weg zu Nachfolge und Jüngerschaft zu unterstützen. Toll wäre es, wenn es Menschen gibt, die diesen Weg gemeinsam mit uns gehen wollen.

 

Gisbert Punsmann, PR

  • INNO Kirche Velbert

Wir freuen uns über ihr Feedback - schreiben Sie uns an
inno@st-michael-paulus-velbert.de

4.8.2022 - Feuer auf die Erde!

Wenn Sie im kirchlichen Bereich engagiert sind, möchte ich Sie fragen: Welche Momente der Begeisterung standen am Ursprung dieses Ihres Engagements? Was war Ihre erste Liebe, die Sie dazu bewogen hat, sich selbst, Ihre Talente, Ihre Zeit und Ihre Ressourcen für das Reich Gottes einzubringen? Bei manchen Menschen sind es „Damaskusereignisse“ wie bei der Bekehrung des fanatischen Christenverfolgers Saulus zum für die Frohbotschaft glühenden Apostel Paulus. Bei den meisten sind es weniger spektakuläre Erfahrungen, sondern langsame, oft unscheinbare Prozesse mit vielen Schattierungen. Auch vom Charakter sind solche Ursprungsmomente völlig unterschiedlich. Gemeinsam ist ihnen jedoch leidenschaftliche Begeisterung und tief empfundene Freude. Gemeinsam ist ihnen auch, dass solche Erlebnisse nachhaltige Wirkungen entfalten und oft am Beginn jahre- und jahrzehntelangen Engagements stehen. Gemeinsam ist ihnen, dass sie meist höchst individuelle und beeindruckende persönliche Berufungsgeschichten auslösen. Was ist aus dieser ersten Liebe geworden? Falls Sie spüren, mit Trauer und Resignation, dass sich vielerorts der Geruch kalter feuchter Asche breit gemacht hat, in Besprechungen und Gruppen, in Gottesdiensten und Sakramentenfeiern, in Projekten und Aktionen, dann erinnern Sie sich an den prophetischen Wunsch Jesu: „Ich bin gekommen, um Feuer auf die Erde zu werfen. Wie froh wäre ich, es würde schon brennen!“ Lassen Sie zu, dass es wieder brennt – in Ihnen!

 

Dr. Georg Plank, Pastoralinnovation
Webseite: www.pastoralinnovation.org


Ziel der INNO Kirche ist genau das: Das Feuer (wieder) zu entfachen. Das, was abgestorben scheint, wieder lebendig zu machen. Feuer, Geist, Begeisterung sind Begriffe, die uns wichtig sind und mit Leben gefüllt werden müssen. Wenn unsere Gemeinde lebendig sein möchte, dann braucht sie das Feuer des Geistes Gottes mehr als alles andere. Menschen werden nur von Gemeinden angesprochen, in denen man von Feuer, vom Geist erfüllte Menschen trifft. Wie häufig kommt es vor, dass Menschen neu in unsere Gemeinde kommen und Kontakt suchen bzw. Anschluss an eine Gruppe. Wie häufig sind solche Menschen schon enttäuscht worden, weil eher Asche als Feuer zu finden war. Der Geist Gottes will immer wieder neu Feuer entfachen. Die Frage ist, ob er genügend Menschen findet, die brennen wollen für Gott.

 

Gisbert Punsmann, PR

  • INNO Kirche Velbert

Wir freuen uns über ihr Feedback - schreiben Sie uns an
inno@st-michael-paulus-velbert.de

28.7.2022 - Unberechenbare Freiräume

Angesichts aller Herausforderungen der heutigen Zeit sollten Kirchen weniger vom Bisherigen tun. Stattdessen können sie offene Orte und freie Räume der Kreativität bereitstellen. Die Wirkungen solcher offenen Freiräume sind nicht berechenbar, aber oft wunderbar im wahrsten Sinn des Wortes, weil sie das für möglich Gehaltende übersteigen und mit neuen Lösungen überraschen können. Bei aller Notwendigkeit menschlichen Planens, pastoraler Konzepte oder struktureller Neuerungen braucht es komplementär dazu kreative und vielfältige Freiräume. Wer hat Lust, diese zu schaffen oder zumindest zuzulassen – auf allen Ebenen, unhierarchisch und selbstorganisiert? Wenn solche Räume durch Liebe und Wahrheit geprägt sind, wird Gutes und Überraschendes wachsen können. Die Geschwister Begeisterung und Freude sind untrügliche Zeichen dafür, dass man in die richtige Richtung unterwegs ist. Auch und gerade außerhalb kirchlicher Institutionen entstehen immer mehr Initiativen auf regionaler und lokaler Ebene mit einem neuen und beteiligenden Stil. Das lässt mich hoffen, dass auch heute neues Leben und motivierende Begeisterung möglich sind, die Auswirkungen auf das konkrete individuelle und politische Handeln haben. Mit der Einladung zu einem weltweiten synodalen Weg Papst Franziskus innerhalb der Kirche solche Prozesse und Räume fördern und dem Heiligen Geist Landeplätze bereiten.

 

Dr. Georg Plank, Pastoralinnovation
Webseite: www.pastoralinnovation.org


Unsere Kirche ist sehr hierarchisch geprägt. Das gilt nicht nur für den Vatikan in Rom oder das Erzbistum in Köln, sondern auch bis in unsere Gemeinde. Es gibt immer wieder Initiativen, die es aber nicht weit schaffen, weil sie von Gremien oder durch andere Christen sehr schnell wieder ausgebremst werden. Das kann mehr als frustrierend sein und führt manches Mal zu einem vollständigen Rückzug aus der Gemeinde oder dem Glauben. Ziel der INNO Kirche ist es, die erwähnten „Freiräume des Glaubens“ zu ermöglichen, Raum für Kreativität und zum Ausprobieren zu schaffen. Das alles in Eigenverantwortung, ohne erst den „Weg über die Instanzen“ gehen zu müssen. Sprechen Sie uns sehr gern an!

 

Gisbert Punsmann, PR

  • INNO Kirche Velbert

Wir freuen uns über ihr Feedback - schreiben Sie uns an
inno@st-michael-paulus-velbert.de

21.7.2022 - Tagträumernetzwerk

Was geschah zwischen Ostern und Pfingsten, als die Freund:innen von Jesus sich zurückgezogen im Abendmahlsaal aufhielten? Darüber gibt es viele theologische Überlegungen. Innovationstheoretisch ermöglichten diese „fünfzig Tage im Obergemach“ jenes Innehalten, jene Muße, jenen offenen und zweckfreien Freiheitsraum, in dem alles gedacht, alles erinnert, alles reflektiert werden kann. Da werden Tabus aufgebrochen, Erfahrungen geteilt und Assoziationen zugelassen. Kreativität und Fantasie können aufblühen, Ideen und Träume entstehen auf dem Nährboden der Freude, der Begeisterung und der schonungslosen Wahrheit, auch in der Konfrontation mit Schuld und Scheitern. „Landeplätze des Heiligen Geistes bereiten“ nenne wir dieses Phänomen. Es geschieht weit über den geistlich-spirituellen Bereich hinaus immer wieder an vielen Orten. Der Hirnforscher Bernd Hufnagl sagt dazu, dass Menschen über etwas verfügen, das er das „neuronale Tagträumernetzwerk“ nennt. In Zeiten der ständigen Ablenkungen und einseitigen Leistungsorientierung ist es unerlässlich. Denn diese Formen von zweckfreiem Sein werden in ihrer Wirkkraft massiv unterschätzt. Sie sind laut Hufnagls empirischen Forschungen die Basis für gute Innovationen. Die fünfzig Tage im Obergemach könnte man als eine intensive Aktivierung dieses Tagträumernetzwerks deuten. Ich wünsche auch Ihnen in diesem Sommer solche Zeiten und Formen der Muße, des Träumens und des Seins!

 

Dr. Georg Plank, Pastoralinnovation
Webseite: www.pastoralinnovation.org


Anfang des Jahres war ich zu Exerzitien auf einer Nordseeinsel. Neben den täglichen Gebetszeiten, Gottesdiensten etc. gab die Exerzitienleitung immer wieder den Auftrag, die Umgebung sehr weitgehend zu beobachten und wahrzunehmen. Das konnte ein Baum sein, eine Wolkenformation, der Sand am Strand, ein Vogel etc. Das sollte man über einen längeren Zeitraum machen. Diese Aufgabe ist mir durchaus schwergefallen, besteht im Berufsleben doch eher die Aufgabe, möglichst viele Dinge in kurzer Zeit zu erledigen. Diese Zeit, so schwierig sie anfangs auch war, führte dazu, dass man „herunterkam“, entspannte, aber auch dazu, das vielfältige Wirken Gottes direkt um einen herum wahrzunehmen. Diese Zeit war sehr kostbar und führte dazu, kreativ und mit neuen, frischen Ideen in den Alltag zu starten. Somit war das Ziel der Exerzitien erreicht.

 

Gisbert Punsmann, PR

  • INNO Kirche Velbert

Wir freuen uns über ihr Feedback - schreiben Sie uns an
inno@st-michael-paulus-velbert.de

14.7.2022 - Vor Dr. Mengele getanzt

Die Fähigkeit des Menschen, sich erinnern zu können, ist großartig und die Quelle von Kulturen und Religionen. Aber was, wenn es um traumatisierende Begebenheiten geht? Erinnerungen an negative, frustrierende oder gewalttätige Erlebnisse können ja nicht nur erneut dieselben alten Gefühle von Wut, Enttäuschung oder Angst auslösen, sondern bei besonders belastenden Erlebnissen auch retraumatisierend wirken. Die aus Ungarn stammende und dann in den USA lebende Edith Eva Eger hat in ihrem Buch „Ich bin hier, und alles ist jetzt: Warum wir uns jederzeit für die Freiheit entscheiden können“ diese Thematik autobiografisch beschrieben. Mit 16 Jahren wurde sie nach Ausschwitz verschleppt, musste Unvorstellbares erleiden und vor dem sadistischen Arzt Dr. Josef Mengele um ihr Leben tanzen. In den USA lernte sie später den Gründer der Logotherapie Viktor Frankl kennen. Dieser hatte ein ähnliches Schicksal wie Eger erleben müssen. Auch er erlitt Deportation und Aufenthalte in Konzentrationslagern. Auch er überlebte wie durch ein Wunder die Terrorherrschaft der Nazis. In seinem Buch „… trotzdem Ja zum Leben sagen“ hatte er seine Erfahrungen verarbeitet. Frankl unterstützte Edith Eva Eger in ihrem jahrelangen Prozess der Aufarbeitung. Schließlich konnte sie dann selbst als Therapeutin Menschen mit posttraumatischen Belastungsstörungen helfen. Erst im hohen Alter von 90 Jahren sah sie sich imstande, endlich dieses warmherzige und lebensbejahende Buch zu verfassen, das wiederum für viele Menschen inmitten von Dunkelheiten und Abgründen befreiende Tore und neue Wege öffnen kann.

 

Dr. Georg Plank, Pastoralinnovation
Webseite: www.pastoralinnovation.org


Das Wort „entscheiden“ ist für mich ein Schlüsselwort. Im Leben sind gefühlt Tausende von Fragen zu entscheiden. Welchen Joghurt oder welches Brot kaufe ich, in welchem Job möchte ich arbeiten, zu welchen Schulen meine Kinder schicken etc.? Vieles entscheiden wir, ohne groß darüber nachzudenken, quasi aus dem Bauch heraus. Manche Entscheidungen vertagen wir, teilweise bis zum St. Nimmerleinstag. Wenn wir nicht selber entscheiden, dann treffen andere manches Mal die Entscheidungen, ggfs. über unseren Kopf hinweg. Das muss dann für uns nicht positiv sein.

Auch unser Glaube verlangt immer wieder Entscheidungen. Wir sind immer wieder aufs Neue eingeladen, die Entscheidungen unseres Lebens im Licht unseres Glaubens zu treffen. Dazu wünsche ich Ihnen die Kraft und die Weisheit des Heiliges Geistes.

 

Gisbert Punsmann, PR

  • INNO Kirche Velbert

Wir freuen uns über ihr Feedback - schreiben Sie uns an
inno@st-michael-paulus-velbert.de