St. Michael und Paulus

14.7.2022 - Vor Dr. Mengele getanzt

Die Fähigkeit des Menschen, sich erinnern zu können, ist großartig und die Quelle von Kulturen und Religionen. Aber was, wenn es um traumatisierende Begebenheiten geht? Erinnerungen an negative, frustrierende oder gewalttätige Erlebnisse können ja nicht nur erneut dieselben alten Gefühle von Wut, Enttäuschung oder Angst auslösen, sondern bei besonders belastenden Erlebnissen auch retraumatisierend wirken. Die aus Ungarn stammende und dann in den USA lebende Edith Eva Eger hat in ihrem Buch „Ich bin hier, und alles ist jetzt: Warum wir uns jederzeit für die Freiheit entscheiden können“ diese Thematik autobiografisch beschrieben. Mit 16 Jahren wurde sie nach Ausschwitz verschleppt, musste Unvorstellbares erleiden und vor dem sadistischen Arzt Dr. Josef Mengele um ihr Leben tanzen. In den USA lernte sie später den Gründer der Logotherapie Viktor Frankl kennen. Dieser hatte ein ähnliches Schicksal wie Eger erleben müssen. Auch er erlitt Deportation und Aufenthalte in Konzentrationslagern. Auch er überlebte wie durch ein Wunder die Terrorherrschaft der Nazis. In seinem Buch „… trotzdem Ja zum Leben sagen“ hatte er seine Erfahrungen verarbeitet. Frankl unterstützte Edith Eva Eger in ihrem jahrelangen Prozess der Aufarbeitung. Schließlich konnte sie dann selbst als Therapeutin Menschen mit posttraumatischen Belastungsstörungen helfen. Erst im hohen Alter von 90 Jahren sah sie sich imstande, endlich dieses warmherzige und lebensbejahende Buch zu verfassen, das wiederum für viele Menschen inmitten von Dunkelheiten und Abgründen befreiende Tore und neue Wege öffnen kann.

 

Dr. Georg Plank, Pastoralinnovation
Webseite: www.pastoralinnovation.org


Das Wort „entscheiden“ ist für mich ein Schlüsselwort. Im Leben sind gefühlt Tausende von Fragen zu entscheiden. Welchen Joghurt oder welches Brot kaufe ich, in welchem Job möchte ich arbeiten, zu welchen Schulen meine Kinder schicken etc.? Vieles entscheiden wir, ohne groß darüber nachzudenken, quasi aus dem Bauch heraus. Manche Entscheidungen vertagen wir, teilweise bis zum St. Nimmerleinstag. Wenn wir nicht selber entscheiden, dann treffen andere manches Mal die Entscheidungen, ggfs. über unseren Kopf hinweg. Das muss dann für uns nicht positiv sein.

Auch unser Glaube verlangt immer wieder Entscheidungen. Wir sind immer wieder aufs Neue eingeladen, die Entscheidungen unseres Lebens im Licht unseres Glaubens zu treffen. Dazu wünsche ich Ihnen die Kraft und die Weisheit des Heiliges Geistes.

 

Gisbert Punsmann, PR

  • INNO Kirche Velbert

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