St. Michael und Paulus

21.7.2022 - Tagträumernetzwerk

Was geschah zwischen Ostern und Pfingsten, als die Freund:innen von Jesus sich zurückgezogen im Abendmahlsaal aufhielten? Darüber gibt es viele theologische Überlegungen. Innovationstheoretisch ermöglichten diese „fünfzig Tage im Obergemach“ jenes Innehalten, jene Muße, jenen offenen und zweckfreien Freiheitsraum, in dem alles gedacht, alles erinnert, alles reflektiert werden kann. Da werden Tabus aufgebrochen, Erfahrungen geteilt und Assoziationen zugelassen. Kreativität und Fantasie können aufblühen, Ideen und Träume entstehen auf dem Nährboden der Freude, der Begeisterung und der schonungslosen Wahrheit, auch in der Konfrontation mit Schuld und Scheitern. „Landeplätze des Heiligen Geistes bereiten“ nenne wir dieses Phänomen. Es geschieht weit über den geistlich-spirituellen Bereich hinaus immer wieder an vielen Orten. Der Hirnforscher Bernd Hufnagl sagt dazu, dass Menschen über etwas verfügen, das er das „neuronale Tagträumernetzwerk“ nennt. In Zeiten der ständigen Ablenkungen und einseitigen Leistungsorientierung ist es unerlässlich. Denn diese Formen von zweckfreiem Sein werden in ihrer Wirkkraft massiv unterschätzt. Sie sind laut Hufnagls empirischen Forschungen die Basis für gute Innovationen. Die fünfzig Tage im Obergemach könnte man als eine intensive Aktivierung dieses Tagträumernetzwerks deuten. Ich wünsche auch Ihnen in diesem Sommer solche Zeiten und Formen der Muße, des Träumens und des Seins!

 

Dr. Georg Plank, Pastoralinnovation
Webseite: www.pastoralinnovation.org


Anfang des Jahres war ich zu Exerzitien auf einer Nordseeinsel. Neben den täglichen Gebetszeiten, Gottesdiensten etc. gab die Exerzitienleitung immer wieder den Auftrag, die Umgebung sehr weitgehend zu beobachten und wahrzunehmen. Das konnte ein Baum sein, eine Wolkenformation, der Sand am Strand, ein Vogel etc. Das sollte man über einen längeren Zeitraum machen. Diese Aufgabe ist mir durchaus schwergefallen, besteht im Berufsleben doch eher die Aufgabe, möglichst viele Dinge in kurzer Zeit zu erledigen. Diese Zeit, so schwierig sie anfangs auch war, führte dazu, dass man „herunterkam“, entspannte, aber auch dazu, das vielfältige Wirken Gottes direkt um einen herum wahrzunehmen. Diese Zeit war sehr kostbar und führte dazu, kreativ und mit neuen, frischen Ideen in den Alltag zu starten. Somit war das Ziel der Exerzitien erreicht.

 

Gisbert Punsmann, PR

  • INNO Kirche Velbert

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