INNO-Kirche Velbert


Erneuerungsprozess der Pfarrgemeinde

Christen sollen „Licht der Welt“ sein, sagt Jesus in seiner berühmten Bergpredigt (Matthäus 5,14). Sie sollen beitragen, dass jeder Mensch in Würde leben kann, dass die ganze Gesellschaft von Werten wie Gerechtigkeit, Friede und Bewahrung der Schöpfung geprägt ist und dass Probleme gemeinsam gelöst werden. Doch funktioniert das heute noch? Befinden sich nicht alle Kirchen in der westlichen Welt im Sinkflug, zerrieben zwischen interner Reformverweigerung und externen gesellschaftlichen Veränderungen?

Das Pastoralteam und der Pfarrgemeinderat unserer katholischen Kirchengemeinde haben über die aktuelle Situation von katholischer Kirche in Velbert nachgedacht. Wir sind zum Schluss gekommen, dass wir nicht den Kopf in den Sand stecken, sondern aktiv werden wollen. Wir brauchen eine professionelle Vitalisierung unserer Gemeinde, um jeden und jede einzelnen, aber auch unsere ganze Gemeinde leuchtend und anziehend zu machen. Dabei können wir auf positive Beispiele in unserer Pfarrei aufbauen, wir brauchen aber zusätzlich konstruktive Impulse von außen. Wir wollen von Kirchengemeinden lernen, die einen echten Turn-Around geschafft haben und die wieder wachsen!

Für diesen dreijährigen Prozess von 2021-2023 hat unsere Kirchengemeinde mit „Pastoralinnovation“ ein Institut aus Graz gewinnen können, das über langjährige Erfahrungen in der Begleitung von Gemeinden verfügt, die innovativ sein wollen und bereit sind, dafür engagiert zu arbeiten. Insofern wird es in diesen drei Jahren eine ganze Fülle von unterschiedlichen Veranstaltungen geben (Besuche durch Pastoralinnovation von Veranstaltungen vor Ort, Workshops, Arbeitsgruppentreffen, Treffen des Projekt-Leitungsteams etc.). Wir freuen uns auf Ihre Mitarbeit und Ihre Impulse.

Kontakt

Wir freuen uns über jede Art von Feedback und ermutigen Sie ausdrücklich dazu. Nutzen Sie dazu bzw. für Anmeldungen zu Veranstaltungen bitte die E-Mail-Adresse „Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein.“ oder die Tel.Nr. 0175-53 38 84 4.
Ansprechpartner für das Projekt ist PR Punsmann.

INNO-Blog


6.10.2022 - „Eh!“

Viele Teilnehmer:innen lachen, wenn ich bei Seminaren sage: „Das Wörtchen ‚eh‘ ist, zumindest in Österreich, der kürzest mögliche Ausdruck von Innovationsverweigerung.“ Wie oft haben Sie schon auf (Verbesserungs-) Vorschläge sogenannte Eh-Antworten bekommen: „Das haben wir eh schon gemacht oder probiert!“, „Das kennen wir eh schon!“, oder noch schlichter: „Ja eh, aber …“

Manche fühlen sich allerdings auch auf den Schlips getreten und reagieren dementsprechend. Sie finden gute Gründe oder schlechte Ausreden, warum gerade bei ihnen etwas nicht verbessert werden kann. Sie beschuldigen mich als Besserwisser, der ja keine Ahnung vom wirklichen Leben hat. Sie entwickeln unglaubliche Kreativität darin, ihre latente oder offene Verweigerungshaltung zu begründen, zu verteidigen oder als alternativlos zu rechtfertigen.

Ich gebe zu, auch ich komme immer wieder in Versuchung, angesichts solcher Reaktionen resignierend zu denken: Mit solchen Typen kannst du jegliche Innovation vergessen! Doch dann erinnere ich mich an die Tatsache, dass der Weg zu Innovationen immer mit Widerständen gepflastert ist und sein muss. Es gibt Möglichkeiten, trotz und angesichts von Skepsis, Zweifel und Verweigerung konsequent den Weg für Verbesserungen zu bereiten. Der Antrittsruf Jesu am Beginn seines öffentlichen Wirkens „Die Zeit ist erfüllt, das Reich Gottes ist nahe. Kehrt um und glaubt an das Evangelium!“ (Markus 1,15) weist dabei auf die entscheidende Haltung hin. Denn Umkehr, ja neues Denken (vgl. den griechischen Begriff ""Metanoia"") erfordert die Bereitschaft, eine negative Form von Stolz loszulassen, der latente narzisstische Dispositionen verstärkt: „Ich bin eh gut genug, was soll das Gerede vom Besserwerden!“

Dr. Georg Plank, Pastoralinnovation
Webseite: www.pastoralinnovation.org


Schon Voltaire, der französische Intellektuelle des 18. Jahrhunderts, wußte: „Das Bessere ist der Feind des Guten.“ Oder stellen Sie sich einen Autohersteller vor, der meint: Wir stellen jetzt die Entwicklung ein. Wir werden jetzt einfach nur noch das Auto X verkaufen und herstellen, das ist so toll. Niemand wird jemals etwas anderes wollen. Man kann sich leicht vorstellen, wie viele Autos dieses Unternehmen in 10 oder 20 Jahren noch verkaufen wird. In Kirchengemeinden ist es durchaus ähnlich. Man sieht, gerade wenn man verschiedene Gottesdienste besucht, ob eine Gemeinde sich verbessern will, auf die Bedürfnisse der Menschen eingehen will oder ob es eher um eine „fromme Dienstleistung“ geht. Im letztgenannten Fall werden die Kirchenbesucherzahlen mittel- und langfristig zurückgehen, im ersten Fall habe ich die Chance, dass eine Gemeinde wachsen kann. Zu welcher Art von Gemeinde wollen wir gehören?

Gisbert Punsmann, PR

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29.9.2022 - Inkrementell oder disruptiv?

Der jüngst verstorbene Grazer Verfassungsjurist und Politikwissenschafter Wolfgang Mantl sagte: "Wir müssen die wehenden Fahnen der Innovation an die starken Masten der Tradition hängen!" Das ist ein bestechendes Bild für den Zusammenhang von Tradition und Innovation. Daraus ergeben sich zwei Arten des Innovierens. Bestehendes zu verbessern und an neue Umfeldbedingungen anzupassen, ist die erste Art, das, was man als „inkrementelle Innovationen“ bezeichnet. Im Unterschied dazu schaffen „disruptive oder radikale Innovationen“ etwas völlig Neues. Faktisch handelt es sich bei den meisten Innovationen um die inkrementelle Verbesserungen von Produkten, Dienstleistungen, Prozessen oder Geschäftsmodellen. Das trifft auf die Wirtschaft, den Sozial- und Umweltbereich in gleicher Weise zu wie auf Verwaltungen, Non-Profit Organisationen oder eben auch auf Kirchen.

Gerade für letztere, in denen Traditionen hochgehalten und weitergegeben werden, ist dies eine gute Nachricht. Denn inkrementell zu innovieren wollen hoffentlich auch die Traditionsorientierten! Konservative Menschen könnten ihre Vorbehalte und Ängste vor Neuerungen ablegen, denn es geht eben nicht um einen Gegensatz zwischen Tradition und Innovation, um ein „entweder – oder“. Gerade unaufgebbare, fundamental identitätsstiftende Traditionen können durch sinnvolles konsequentes Verbessern in neuen Zeiten und unter neuen Bedingungen wieder Strahlkraft entwickeln und Früchte im Geiste des Gründers Jesus Christus bringen.

Dr. Georg Plank, Pastoralinnovation
Webseite: www.pastoralinnovation.org


Dass Tradition und Innovation keine Widersprüche sein müssen, lässt sich in einer Kirchengemeinde nicht immer leicht vermitteln. Wenn man in einen „normalen“ Sonntagsgottesdienst oder in einen Ortsausschuss gehen würde, um zu fragen, was den Menschen wichtig sei, würde man m.E. häufig hören, dass „alles doch bitte so bleiben möge, wie es ist.“ Nicht angefügt wird dabei: „…bis ich dann irgendwann nicht mehr da bin.“ Rein menschlich lässt sich dieses Ansinnen gut nachvollziehen. Für die pastorale Arbeit in einer Gemeinde ist dieses Verhalten aber nicht einmal eine Option. Die ganze Welt um uns herum ändert sich und zwar ständig, ob es uns gefällt oder nicht. Nehmen Sie gern allein die Stichworte Globalisierung, Klimawandel, Ukraine-Krieg etc. Wenn wir allein auf die Rahmenbedingungen für Kirche seit den 50er Jahren schauen, dann merken wir leicht, wie sich diese gravierend geändert haben. Die INNO Kirche Velbert wurde gegründet, um die nötigen Anpassungen und Veränderungen behutsam, an den nötigen Stellen und unter Einbeziehung der Menschen vorzunehmen. Lassen Sie sich gern ansprechen. Welcome aboard!

Gisbert Punsmann, PR

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22.9.2022 - Mythos Priestermangel?

Kirchen und Christ:innen sind auch gefährdet, von falschen Urteilen und Grundlagen auszugehen, was leicht zu unüberlegten Entscheidungen mit negativen Wirkungen führen kann. Das lässt sich gut am Beispiel des Priestermangels verdeutlichen. Fast alle in der katholischen Kirche sind überzeugt, dass zu ihren gravierendsten Problemen der Mangel an Priesterberufungen zählt. Viele strategische Entscheidungen basieren auf dieser Annahme. So wird das jahrhundertelang existierende flächendeckende Netzwerk an Pfarrgemeinden deshalb in vielen Diözesen radikal umgebaut.

Wie schaut es aber tatsächlich mit dem Mangel an Priesterberufungen aus?

In meiner Heimatdiözese Graz-Seckau betrug die Gesamtzahl der pastoral tätigen Hauptamtlichen in den 50er Jahren und in den Nullerjahren des neuen Jahrtausends jeweils etwa 2000 Personen. In der Aufbruchsphase nach dem 2. Weltkrieg waren über 90% dieser professionell ausgebildeten, kirchlich angestellten und vom Bischof gesendeten Personen Priester und Ordensleute. 50 Jahre später betrug der Priesteranteil nur mehr knapp 25%. Faktum ist: Die Gesamtzahl pastoraler Profis ist also nicht gesunken! Mittlerweile haben Frauen und Männer, Verheiratete und Unverheiratete das Spektrum der Seelsorger:innen bunter gemacht und so die seelsorglich-pastorale Arbeit bereichert.

Halten Sie das für Schönrederei? Oder eröffnet diese faktenbasierte Betrachtungsweise neue Möglichkeiten für eine zukunftsorientierte Personalentwicklung? Denn es lässt sich nachweisen, dass die Pluralisierung kirchlichen Personals zu einer Pluralisierung und Ausweitung kirchlicher Handlungsfelder geführt hat. Dadurch entstanden viele bemerkenswerte Beispiele von neuen Formen der lebensnahen Verkündigung. ""Zeichen und Werkzeug für die Liebe Gottes mitten in der Welt zu sein"" (Lumen Gentium 1), das geschah und geschieht heute auf vielfältige Weise in Schulen, Krankenhäusern, diakonischen Einrichtungen, bei erlebnispädagogischen oder entwicklungspolitischen Aktivitäten, in der Bildungsarbeit und mittlerweile auch in diversen Online-Präsenzen.

Dr. Georg Plank, Pastoralinnovation
Webseite: www.pastoralinnovation.org


Wenn es so ist, dass durch die Pluralisierung des kirchlichen Personals pastorale Handlungsfelder erweitert worden sind und insofern viele Menschen davon profitiert haben, dann muss man zum einen sagen, dass durch die stark zurückgehenden Zahlen an kirchlichem Personal diese Impulse grundsätzlich eher zurückgehen werden, aber auf der anderen Seite, dass sich für ehrenamtlich Engagierte neue Möglichkeiten ergeben, um sich eigenverantwortlich in der Gemeinde zu engagieren. Die INNO Kirche ist dankbar für das Engagement so vieler Menschen, sie fördert jedoch im Besonderen die Menschen, die für bestimmte Handlungsfelder brennen und dies pastoral selbständig umsetzen wollen. Dabei können wir auch etwas bieten, glaube ich. Man kann, wenn man sich für andere engagiert, auch viel Befriedigung für sein eigenes Leben mitnehmen. Insofern kommt man zu einer Win/Win-Situation. Steigen Sie gern bei uns ein. Wir freuen uns jedenfalls auf Sie.

Gisbert Punsmann, PR

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15.9.2022 - Alles wird schlechter!

Die Evolution alles Lebendigen ist von Verbesserungen geprägt. Auch die Geschichte der Menschheit könnte man als Verbesserungsgeschichte deuten – leider mit teilweise schlimmen Rückschlägen. Es gibt viele Beispiele, die diese „probabilistische Sicht“ ermutigen. Verbesserungen auf allen gesellschaftlichen Ebenen haben nachweislich dazu geführt, dass kaum jemand trotz aller unleugbaren Probleme lieber in einer anderen Welt oder zu einer anderen Zeit als der gegenwärtigen leben möchte.

Der schwedische Mediziner Hans Rosling (1948 - 2017) gilt als einer der Hauptvertreter dieser These. Er beschrieb in seinem Bestseller „Factfulness“, wie in den letzten 200 Jahren weltweit Parameter wie Alphabetisierungsgrad, medizinische Versorgung, Mindesteinkommen etc. deutlich gestiegen sind.

Wenn Ihnen nun sogleich Gegenbeispiele einfallen, was sich alles verschlechtert hat und dass die Menschheit unausweichlich auf selbst verursachte Katastrophen zusteuert, ist das nur eine scheinbare Falsifikation der Rosling`schen Grundthese: Viele Menschen hätten laut seinen Forschungen ein völlig verzerrtes, meist zu düsteres Bild von der Welt. Das Fatale: Diese faktisch oft falsche Sichtweise hat enormen Einfluss auf das Denken und Handeln von Entscheidungsträgern. Solide Fakten würden oft ganz andere Möglichkeiten eröffnen, mit den unbestreitbar gewaltigen Problemen der Gegenwart umzugehen. Es geht also weder um Schönfärberei noch um Untergangsszenarien. Es geht um das Bemühen, sich um eine möglichst wirklichkeitstreue Faktenlage als Ausgangspunkt des eigenen Handelns und der eigenen Entscheidungen zu bemühen.

Zu ähnlichen Ergebnissen kommen die Studien des Wissenschaftsjournalisten John Tierney und des Sozialpsychologen Roy Baumeister, die sie im Buch „Die Macht des Schlechten“ 2020 veröffentlicht haben. Die beiden Autoren erklären anhand des Negativitätseffekts, warum Länder in katastrophale Kriege geraten, warum Paare sich scheiden lassen oder warum Menschen Vorstellungsgespräche vermasseln. Doch sie zeigen auch, wie wir lernen können, unsere Negativitätsvorurteile zu erkennen, zu steuern und zu überwinden. Die Macht des Schlechten kann für Gutes genutzt werden, so ihre plausibel vorgetragene These.

Dr. Georg Plank, Pastoralinnovation
Webseite:
www.pastoralinnovation.org


Die erwähnten Negativitätseffekte lassen sich auch im eigenen Leben oder auch bei anderen recht leicht erkennen. Wir kennen Menschen, die eher mit einem positiven Ausblick auf das Leben ihren Weg gehen oder auch Menschen, die genau das Gegenteil machen. Manchen fällt der grundsätzliche positive Blick auf ihr Leben schwer, auch wenn sie sehen, wie gut es ihnen eigentlich geht. Mit wem umgeben sich die meisten von uns am liebsten: Mit Menschen mit positiver Grundstimmung oder Menschen, die immer nur das Schlechte sehen? Die Antwort scheint eindeutig. Auch wenn das Leben an manche Menschen schier übermenschliche Anforderungen stellt, so lohnt es sich doch, immer wieder das Gute, Positive in den Blick zu nehmen. Was würde das Leben sonst noch lebenswert machen?

Gisbert Punsmann, PR

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8.9.2022 - Sind wir etwa schlecht?

Heißt das denn, dass wir schlecht sind?“ So fragen viele gereizt, wenn ich betone, dass Innovationen Verbesserungen zum Ziel haben und nicht bloße Neuerungen. Es überrascht mich oft, wie negativ viele Menschen auf das Wort „besser“ oder „verbessern“ reagieren. Viele fühlen sich persönlich angegriffen. Sie sehen ihre Arbeit und oft langjährigen Bemühungen in Frage gestellt, reagieren gekränkt oder sogar aggressiv. In Kirchen kommt das überdurchschnittlich häufig vor.

Je hierarchischer ein System, umso verständlicher sind diese Reaktionen, wie ich inzwischen gelernt habe. Es ist schlimm, wenn Hierarchien nicht synodal agieren, sondern zu autoritärem und moralisierendem Gehabe neigen. Dann werden Appelle zur Verbesserung natürlich als Verordnung, Dienstanweisung oder im besten Fall als externe Motivierung gesehen, die offen oder versteckt die Unzufriedenheit der Vorgesetzten über den Istzustand widerspiegeln. Logisch, dass man dann unzufrieden reagiert, sich missverstanden fühlt oder die bisherige Arbeit als zu wenig wertgeschätzt erlebt.

In der folgenden Blog-Staffel möchte ich der Frage nachgehen, wie man Lust auf Besserwerden wecken kann. Ich bin dabei gespannt auf Ihre Erfahrungen und Überlegungen.

Dr. Georg Plank, Pastoralinnovation
Webseite: www.pastoralinnovation.org


Besser werden ist ja grundsätzlich etwas Gutes. Das würden sicherlich viele Menschen bestätigen. Wenn man im Kontext einer Kirchengemeinde tätig ist, kommt es aber nicht nur darauf an, ob wir vor Ort besser werden wollen und dann hoffentlich auch können. Der Blick auf uns und unser Handeln vor Ort wird maßgeblich davon mitbestimmt, welche Auswirkungen römische Entscheidungen oder solche des Bistums oder des eigenen Kirchenvorstands haben. Das kann man nicht immer alles verstehen noch gutheißen. Dranzubleiben und ggfs. trotz all der Frustrationen zu versuchen, die Arbeit und Darstellung der Gemeinde zu verbessern, erscheint dann manches Mal als fast schon übermenschliche Anstrengung.

Gisbert Punsmann, PR

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1.9.2022 - Freude mitten im Elend

Freude im biblischen Sinn ist nichts Gemachtes. Sie ist nicht das Ergebnis oder die Folge von Inszenierungen, psychologischen Tricks oder genialen Gags. Freude als Frucht des Geistes ist ein Geschenk, das aus einer lebendigen Beziehung mit dem lebendigen Gott strömt. Sie erweist sich stärker als Krisen, Konflikte, Krankheiten und Tod. Christ:innen feiern zu Ostern und an jedem Sonntag die Auferstehungsfreude. Oft wirkt es nahezu paradox, wie Menschen in schlimmsten Situationen diese tiefe Freude im Herzen empfinden. Solche Menschen sind wie eine Kerze, die mitten in der Dunkelheit das Licht Gottes ausstrahlen und anderen Hoffnung geben. Es gibt sie Gott sei Dank auch heute – in Kriegsgebieten wie Ukraine, Jemen oder Syrien und in den Terrorzonen Afrikas, aber auch in den Elendsviertel oder Vereinsamungsinseln dieser Welt.

Die Lektüre des Philipperbriefs, des „Briefes der Freude“ mit der bekannten Aufforderung „Freut euch im Herrn zu jeder Zeit! Noch einmal sage ich: Freut euch!“ (Philipper 4,4) ist für mich immer wieder ein Trost in schwierigen Zeiten und Gemütszuständen. Seitdem ich weiß, dass Paulus dieses fantastische Werk der Weltliteratur im Gefängnis von Ephesos verfasst hat, ohne Hoffnung auf Befreiung, erstaunt es mich noch mehr, wie wunderbar die Beziehung zu Christus tatsächlich wirken kann!

Dr. Georg Plank, Pastoralinnovation
Webseite: www.pastoralinnovation.org


 Ich weiß nicht, ob Sie schon einmal jemandem begegnet sind, der ein Bekehrungserlebnis hatte, der erfahren hat, dass er von Gott zutiefst geliebt und akzeptiert ist. Bei einigen Menschen ist es dann so, dass die Freude über diese Erkenntnis, diese Gewissheit, sich in ihrem Gesicht deutlich wiederspiegelt. Sie wirken wie ein anderer Mensch. Diese eine Begegnung mit Christus hat ihr ganzes Leben verändert, auf den Kopf gestellt. In manchen Fällen wird diese Freude irgendwann von den Niederungen des Alltags überlagert. Bei anderen ist es aber so, dass diese grundsätzliche Freude ganz lange sichtbar ist. Was sehen Menschen in mir: Den liebenden, zugewandten Gott oder eher jemanden, den die Last des Alltags manches Mal zu erdrücken scheint?

Gisbert Punsmann, PR

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25.8.2022 - Verwandelt wirken

Biblische Gestalten wie König Saul im Alten oder Saulus im Neuen Testament stehen in einer Reihe unzähliger Männer und Frauen, die Gott nicht nur verändert, sondern zutiefst erneuert und verwandelt hat. Bei aller Unterschiedlichkeit steht am Beginn solcher verwandelnder, also „eucharistischer“ Prozesse, immer eine persönliche Erfahrung, die Ehrfurcht und Begeisterung auslöst. Dies erfasst den ganzen Menschen und verstärkt die Sehnsucht nach einem Leben in Einheit mit Gott. Auch in nachbiblischen Zeiten bis zur Gegenwart sind es solche Menschen, durch die Gott liebevoll, heilsam, friedensstiftend und machtvoll wirkt. Kirchliches Handeln soll diesen Erfahrungen den Weg bereiten. Das heißt oft, jegliche externe und interne Hindernisse dafür aus dem Weg zu räumen.

Jegliches Handeln im Namen Jesu und in Seinem Geist hat eine solche fundamentale Verwandlung zum Ziel: Individuell, kirchlich und gesellschaftlich. Kein Gottesdienst, keine Gemeinschaft, aber auch keine soziale Aktivität oder Planungsbesprechung sind davon ausgenommen. Je stärker die Bereitschaft ist, auch in ganz alltäglichen und profanen Bereichen dem Heiligen Geist Landeplätze zu bereiten, umso eher wird hier und heute Reich Gottes erfahrbar. Zusammengefasst finden wir dieses Phänomen in der Szene der Verklärung: „Während Jesus betete, veränderte sich das Aussehen seines Gesichtes und sein Gewand wurde leuchtend weiß.“ (Lukas 9,29)

 Dr. Georg Plank, Pastoralinnovation
Webseite: www.pastoralinnovation.org


 Ziel des christlichen Lebens ist es, ein „alter (lat.) Christus“, wie ein „anderer Christus“ zu werden. Das zeichnete die Heiligen über die Jahrhunderte aus, nämlich dieses Ziel erreichen zu wollen im Wissen um die eigene menschliche Schwachheit und trotzdem nicht aufzugeben. Mich hat das Beispiel eines Freundes aus dem Süddeutschen sehr beeindruckt. Er ist PGR-Vorsitzender seiner Gemeinde. Wenn der PGR sich trifft, wird nur jedes zweite Mal über PGR-Fragen gesprochen. Jedes weitere Mal reflektieren die PGR-Mitglieder die Bibel und beten gemeinsam. Dadurch wollen sie „verwandelt“ werden und Christus ähnlicher werden. Der Versuch lohnt!

Gisbert Punsmann, PR

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18.8.2022 - Begeistert Kirchenmusik?

Dient Kirchenmusik der Ermöglichung von Begeisterung und Freude oder nicht? Alle Studien wachsender Gemeinden – das sind in westlichen Ländern eine kleine Minderheit von etwa 5% quer durch alle Konfessionen – zeigen, dass Musik einer der Schlüsselfaktoren für Begeisterung und damit letztlich für neues Wachstum ist. Alle Kirchenmusiker:innen wollen mit ihrer Arbeit die Menschen begeistern, selbstverständlich! Wenn man sie fragt, ob Sie Bescheid wissen, wie sehr sie dieses Ziel tatsächlich erreichen, sind die Antworten bereits weniger eindeutig. Wenn man genauer hinschaut, was das „Why“, das grundlegende „Warum“ und „Wozu“ vieler kirchenmusikalischer Aktivitäten ist, wird die Sachlage noch differenzierter. Da rückt dann das primäre Ziel der Begeisterung für Gott oft in den Hintergrund, weil es um andere, durchaus auch legitime Anliegen geht wie die fachliche Qualität, die infrastrukturelle Ausstattung oder das Renommee eines Chores oder Orchesters. Und schließlich der Lackmustest: Was sagen die Betroffenen, vor allem diejenigen Menschen, die nur ab und zu einen Gottesdienst erleben, zur dabei gehörten und erlebten Musik? Menschen, die sich nicht als kirchliche Insider verstehen, aber bei Begräbnissen, sakramentalen Feiern von Verwandten und Freunden oder zu kirchlichen Hochfesten mit der Liturgie und damit auch der Kirchenmusik in Berührung kommen?

 

Dr. Georg Plank, Pastoralinnovation
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 Als ich vor kurzem in einer Reha-Maßnahme inThüringen war, war ich an einem Wochenende in Dresden zum Gottesdienst in der kath. Hofkirche St.Trinitatis, welche direkt neben der Semper-Oper gelegen ist. Zufällig wurde an diesem Sonntag das 25jährige Bestehen des Bistums Dresden-Meißen und gleichzeitig das Dienstjubiläum des Domkantors gefeiert. Man kann sich leicht vorstellen, dass dazu kirchenmusikalisch alles aufgefahren wurde, was Rang und Namen hatte. Das musikalische Erlebnis war absolut überwältigend. Kirchenmusik in dieser Qualität hatte ich noch nicht erlebt. Hier wurde mehr als deutlich, wie gute Kirchenmusik ein „Zugfaktor“ in eine Gemeinde hinein sein kann.

Ostern hatte ich dagegen in der kleinen Gemeinde des Reha-Ortes gefeiert. Kirchenmusikalisch kein Vergleich zur Erfahrung in Dresden. Ein solcher Vergleich wäre unredlich und vermessen. Und doch hat mich auch die musikalische Begleitung dort beeindruckt, weil die Menschen selber sie gemacht haben. Es war eine kleine Diasporagemeinde, aber jeder, der Interesse an Musik hat und Fähigkeiten dazu, hat sich eingebracht. Insofern kam der Dienstcharakter deutlich zum Tragen. Auch das war auf andere Art und Weise beeindruckend und kann ebenfalls zum Zugfaktor werden.

 

Gisbert Punsmann, PR

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11.8.2022 - Fordernde Konsument:innen

Wenn noch so gut gemachte Veranstaltungen, noch so wohl vorbereitete Gottesdienste oder noch so erfolgreiche Sozialinitiativen keine Begeisterung auslösen, was dann? Außerdem kennen Sie sicher auch das Phänomen, dass immer weniger Engagierte sich aufreiben in immer verzweifelter wirkenden Versuchen, irgendetwas auf die Beine zu stellen, damit „die Leute kommen“. Und selbst wenn sich ab und zu ein quantitativer Erfolg einstellt, hinterlässt dieser oft einen schalen Beigeschmack, weil man spürt: Wir haben zwar die Bedürfnisse „fordernder Konsument:innen“ (Originalton Michael White und Tom Corcoran in „Rebuilt“) befriedigt, aber wir haben die Menschen nicht auf einen Weg der Nachfolge geführt. Wir haben zwar viel unternommen und angeboten, aber zu wenig getan, um Menschen für Gott und Seine Botschaft zu begeistern – als Grundlage für die freie und individuelle Entscheidung, das Leben ganz auf Christus auszurichten und sich für sein Reich zu engagieren. Die pastorale Kunst scheint darin zu bestehen, durch ehrgeizige und professionelle Arbeit hohe Qualität anzustreben und so die Basis für mögliche quantitative Resonanzen zu schaffen. Das schafft den Nährboden dafür, dass Gott wirken und Menschen berufen kann. Dann geschieht auch heute das Wunder der Verwandlung des größten Sünders in einen Jünger oder eine Jüngerin Jesu Christi.

 

Dr. Georg Plank, Pastoralinnovation
Webseite: www.pastoralinnovation.org


 

Wir können unser ganzes Leben lang jeden Tag in die Kirche zum Gottesdienst gehen und lassen uns doch von der Botschaft Christi nicht berühren. Das ist dann unendlich traurig und eine verpasste Chance. Im Sonntagsevangelium des kommenden Sonntags (Lk. 12,49-53) lädt Jesus deutlich zu ganz konkreter Nachfolge ein, was im Extremfall sogar zu Spaltungen innerhalb von Familien führen kann. Wenn ich meinen Glauben ernst nehme, wenn er meinem Leben Kontur verleiht, werde ich anecken und zwar um des Reiches Gottes willen. Ziel der INNO Kirche ist es, Menschen auf ihrem Weg zu Nachfolge und Jüngerschaft zu unterstützen. Toll wäre es, wenn es Menschen gibt, die diesen Weg gemeinsam mit uns gehen wollen.

 

Gisbert Punsmann, PR

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4.8.2022 - Feuer auf die Erde!

Wenn Sie im kirchlichen Bereich engagiert sind, möchte ich Sie fragen: Welche Momente der Begeisterung standen am Ursprung dieses Ihres Engagements? Was war Ihre erste Liebe, die Sie dazu bewogen hat, sich selbst, Ihre Talente, Ihre Zeit und Ihre Ressourcen für das Reich Gottes einzubringen? Bei manchen Menschen sind es „Damaskusereignisse“ wie bei der Bekehrung des fanatischen Christenverfolgers Saulus zum für die Frohbotschaft glühenden Apostel Paulus. Bei den meisten sind es weniger spektakuläre Erfahrungen, sondern langsame, oft unscheinbare Prozesse mit vielen Schattierungen. Auch vom Charakter sind solche Ursprungsmomente völlig unterschiedlich. Gemeinsam ist ihnen jedoch leidenschaftliche Begeisterung und tief empfundene Freude. Gemeinsam ist ihnen auch, dass solche Erlebnisse nachhaltige Wirkungen entfalten und oft am Beginn jahre- und jahrzehntelangen Engagements stehen. Gemeinsam ist ihnen, dass sie meist höchst individuelle und beeindruckende persönliche Berufungsgeschichten auslösen. Was ist aus dieser ersten Liebe geworden? Falls Sie spüren, mit Trauer und Resignation, dass sich vielerorts der Geruch kalter feuchter Asche breit gemacht hat, in Besprechungen und Gruppen, in Gottesdiensten und Sakramentenfeiern, in Projekten und Aktionen, dann erinnern Sie sich an den prophetischen Wunsch Jesu: „Ich bin gekommen, um Feuer auf die Erde zu werfen. Wie froh wäre ich, es würde schon brennen!“ Lassen Sie zu, dass es wieder brennt – in Ihnen!

 

Dr. Georg Plank, Pastoralinnovation
Webseite: www.pastoralinnovation.org


Ziel der INNO Kirche ist genau das: Das Feuer (wieder) zu entfachen. Das, was abgestorben scheint, wieder lebendig zu machen. Feuer, Geist, Begeisterung sind Begriffe, die uns wichtig sind und mit Leben gefüllt werden müssen. Wenn unsere Gemeinde lebendig sein möchte, dann braucht sie das Feuer des Geistes Gottes mehr als alles andere. Menschen werden nur von Gemeinden angesprochen, in denen man von Feuer, vom Geist erfüllte Menschen trifft. Wie häufig kommt es vor, dass Menschen neu in unsere Gemeinde kommen und Kontakt suchen bzw. Anschluss an eine Gruppe. Wie häufig sind solche Menschen schon enttäuscht worden, weil eher Asche als Feuer zu finden war. Der Geist Gottes will immer wieder neu Feuer entfachen. Die Frage ist, ob er genügend Menschen findet, die brennen wollen für Gott.

 

Gisbert Punsmann, PR

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21.7.2022 - Tagträumernetzwerk

Was geschah zwischen Ostern und Pfingsten, als die Freund:innen von Jesus sich zurückgezogen im Abendmahlsaal aufhielten? Darüber gibt es viele theologische Überlegungen. Innovationstheoretisch ermöglichten diese „fünfzig Tage im Obergemach“ jenes Innehalten, jene Muße, jenen offenen und zweckfreien Freiheitsraum, in dem alles gedacht, alles erinnert, alles reflektiert werden kann. Da werden Tabus aufgebrochen, Erfahrungen geteilt und Assoziationen zugelassen. Kreativität und Fantasie können aufblühen, Ideen und Träume entstehen auf dem Nährboden der Freude, der Begeisterung und der schonungslosen Wahrheit, auch in der Konfrontation mit Schuld und Scheitern. „Landeplätze des Heiligen Geistes bereiten“ nenne wir dieses Phänomen. Es geschieht weit über den geistlich-spirituellen Bereich hinaus immer wieder an vielen Orten. Der Hirnforscher Bernd Hufnagl sagt dazu, dass Menschen über etwas verfügen, das er das „neuronale Tagträumernetzwerk“ nennt. In Zeiten der ständigen Ablenkungen und einseitigen Leistungsorientierung ist es unerlässlich. Denn diese Formen von zweckfreiem Sein werden in ihrer Wirkkraft massiv unterschätzt. Sie sind laut Hufnagls empirischen Forschungen die Basis für gute Innovationen. Die fünfzig Tage im Obergemach könnte man als eine intensive Aktivierung dieses Tagträumernetzwerks deuten. Ich wünsche auch Ihnen in diesem Sommer solche Zeiten und Formen der Muße, des Träumens und des Seins!

 

Dr. Georg Plank, Pastoralinnovation
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Anfang des Jahres war ich zu Exerzitien auf einer Nordseeinsel. Neben den täglichen Gebetszeiten, Gottesdiensten etc. gab die Exerzitienleitung immer wieder den Auftrag, die Umgebung sehr weitgehend zu beobachten und wahrzunehmen. Das konnte ein Baum sein, eine Wolkenformation, der Sand am Strand, ein Vogel etc. Das sollte man über einen längeren Zeitraum machen. Diese Aufgabe ist mir durchaus schwergefallen, besteht im Berufsleben doch eher die Aufgabe, möglichst viele Dinge in kurzer Zeit zu erledigen. Diese Zeit, so schwierig sie anfangs auch war, führte dazu, dass man „herunterkam“, entspannte, aber auch dazu, das vielfältige Wirken Gottes direkt um einen herum wahrzunehmen. Diese Zeit war sehr kostbar und führte dazu, kreativ und mit neuen, frischen Ideen in den Alltag zu starten. Somit war das Ziel der Exerzitien erreicht.

 

Gisbert Punsmann, PR

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14.7.2022 - Vor Dr. Mengele getanzt

Die Fähigkeit des Menschen, sich erinnern zu können, ist großartig und die Quelle von Kulturen und Religionen. Aber was, wenn es um traumatisierende Begebenheiten geht? Erinnerungen an negative, frustrierende oder gewalttätige Erlebnisse können ja nicht nur erneut dieselben alten Gefühle von Wut, Enttäuschung oder Angst auslösen, sondern bei besonders belastenden Erlebnissen auch retraumatisierend wirken. Die aus Ungarn stammende und dann in den USA lebende Edith Eva Eger hat in ihrem Buch „Ich bin hier, und alles ist jetzt: Warum wir uns jederzeit für die Freiheit entscheiden können“ diese Thematik autobiografisch beschrieben. Mit 16 Jahren wurde sie nach Ausschwitz verschleppt, musste Unvorstellbares erleiden und vor dem sadistischen Arzt Dr. Josef Mengele um ihr Leben tanzen. In den USA lernte sie später den Gründer der Logotherapie Viktor Frankl kennen. Dieser hatte ein ähnliches Schicksal wie Eger erleben müssen. Auch er erlitt Deportation und Aufenthalte in Konzentrationslagern. Auch er überlebte wie durch ein Wunder die Terrorherrschaft der Nazis. In seinem Buch „… trotzdem Ja zum Leben sagen“ hatte er seine Erfahrungen verarbeitet. Frankl unterstützte Edith Eva Eger in ihrem jahrelangen Prozess der Aufarbeitung. Schließlich konnte sie dann selbst als Therapeutin Menschen mit posttraumatischen Belastungsstörungen helfen. Erst im hohen Alter von 90 Jahren sah sie sich imstande, endlich dieses warmherzige und lebensbejahende Buch zu verfassen, das wiederum für viele Menschen inmitten von Dunkelheiten und Abgründen befreiende Tore und neue Wege öffnen kann.

 

Dr. Georg Plank, Pastoralinnovation
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Das Wort „entscheiden“ ist für mich ein Schlüsselwort. Im Leben sind gefühlt Tausende von Fragen zu entscheiden. Welchen Joghurt oder welches Brot kaufe ich, in welchem Job möchte ich arbeiten, zu welchen Schulen meine Kinder schicken etc.? Vieles entscheiden wir, ohne groß darüber nachzudenken, quasi aus dem Bauch heraus. Manche Entscheidungen vertagen wir, teilweise bis zum St. Nimmerleinstag. Wenn wir nicht selber entscheiden, dann treffen andere manches Mal die Entscheidungen, ggfs. über unseren Kopf hinweg. Das muss dann für uns nicht positiv sein.

Auch unser Glaube verlangt immer wieder Entscheidungen. Wir sind immer wieder aufs Neue eingeladen, die Entscheidungen unseres Lebens im Licht unseres Glaubens zu treffen. Dazu wünsche ich Ihnen die Kraft und die Weisheit des Heiliges Geistes.

 

Gisbert Punsmann, PR

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7.7.2022 - Körpereigene Drogen

Emotionale Glückszustände dauern meist nicht sehr lange an. Dennoch spielen sie eine große Rolle für die nachhaltige intrinsische Motivation zu Veränderung, positivem Denken und konkretem Handeln – auch und gerade angesichts von offenen Fragen, nagenden Zweifeln oder externen Widerständen. Biologisch betrachtet sind chemische Botenstoffe oder Neurotransmitter dafür verantwortlich, populärwissenschaftlich häufig Glückshormone genannt, zum Beispiel Dopamin, Serotonin, Noradrenalin oder Endorphin. Wegen der vergleichbaren Wirkung werden sie auch als „körpereigene Drogen“ bezeichnet. In Momenten der Begeisterung reflektieren allerdings die wenigsten von uns deren neurobiologischen Ursachen. Im Gegenteil, in der jeweiligen Situation dominieren die Gefühle über die Gedanken, egal ob es sich um ein sportliches oder kulturelles Highlight, eine intensive Liebes- oder Gemeinschaftserfahrung, ein spirituelles Erlebnis oder einen Durchbruch bei einer gefinkelten Problemlösung handelt. Wir erleben ein intensives Lustgefühl, das uns befeuert, beflügelt und bestärkt. Begeisterung löst ungeheure Motivation aus. Sie wirkt impulsiv und macht Lust zum Handeln. Am liebsten würde man sofort alles Mögliche anpacken und umsetzen! Wann haben Sie zuletzt bei einem kirchlichen Ereignis Begeisterung erlebt?

 

Dr. Georg Plank, Pastoralinnovation
Webseite: www.pastoralinnovation.org


In meiner Heimatgemeinde habe ich seinerzeit viele traditionelle katholische Christen getroffen, für die ihr Glaube sicherlich eine Bedeutung hatte. Drei Gottesdienste am Wochenende waren in unserem Dorf sehr gut besucht. Was ist geblieben nach 40 Jahren? Es gibt noch einen, schlecht besuchten, Gottesdienst. Es gibt keinen eigenen Pfarrer mehr, kein Pfarrbüro, wenige Gemeindegruppen etc. Sie haben das alles schon gehört. Die Situation unterscheidet sich nicht wesentlich von der in anderen Dorf- oder Stadtgemeinden. Man traf häufig auf Tradition, aber selten auf Begeisterung. Wäre es anders herum gewesen, behaupte ich, dass die Situation vor Ort heute anders wäre. Ich selber habe Begeisterung später in einem Gebetskreis für junge Erwachsene gefunden. Diese Begeisterung hat mich und auch andere weiter- und durchgetragen. Unsere Gemeinde, INNO Kirche braucht vom Glauben begeisterte Menschen. Lassen Sie uns zusammen danach streben, diese Begeisterung zu finden oder wieder zu finden.

 

Gisbert Punsmann, PR

  • INNO Kirche Velbert

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30.6.2022 - Hände hoch

Wenn bei einem Fußballspiel endlich das erlösende Tor geschossen wird, springen Tausende Fans auf, reißen ihre Arme hoch, tanzen und hüpfen, jubeln und schreien, fallen sich in die Arme. Millionen Fans von Sport und Kultur lernten solche Erlebnisse durch die erzwungene „Fastenzeit“ aufgrund der Pandemie umso intensiver zu schätzen. Ist Ihnen schon einmal aufgefallen, dass die körpersprachlichen Ausdrucksformen von Begeisterung kulturenübergreifend verblüffend ähnlich sind? Eher extrovertierte Menschen springen auf, reißen die Arme hoch, schreien, fallen sich um den Hals, hüpfen und weinen. Bei den stilleren Menschen sieht man, wie sie sich mit den Händen auf den Kopf oder ins Gesicht greifen, dass sie die Augen schließen oder zum Himmel erheben. Sie atmen tief und langsam oder weinen still vor Freude. Viele erzählen, dass sie sich in solchen Momenten auf beglückende Weise verbunden fühlen mit allen anderen Fans oder sogar mit einem schwer zu definierenden größerem „Wir“. Wo und wie erleben Sie Begeisterung auf eine Weise, die Sie positiv stimmt und mitreißt?

 

Dr. Georg Plank, Pastoralinnovation
Webseite: www.pastoralinnovation.org


Ich erinnere mich sehr gut an emotionale Momente beim Fußball, Momente des Jubels, aber auch der Traurigkeit. Begeisterung habe ich auch schon in Gottesdiensten, bei religiösen Freizeiten, Weltjugendtagen etc. erlebt. Wenn wir in vielen verschiedenen Augenblicken Begeisterung spüren, aber in unserem Glauben nicht (mehr), dann ist das etwas, über das man nachdenken sollte. Wenn wir uns als geliebte Kinder Gottes sehen, dann ist das etwas, was uns zu Begeisterung führen kann. Das könnte in uns prinzipiell viel mehr auslösen als Dinge, die zum Gelingen unseres Lebens eher wenig beitragen können. Ein vom Geist erfüllter Mensch, ein Begeisterter, kann glaubwürdiges Werkzeug Gottes werden.

 

Gisbert Punsmann, PR

  • INNO Kirche Velbert

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